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<text>

<artikel>
 <autorinnen>initiative.burschis.aufessen</autorinnen>
 <autorinnen>HUmmel-antifa - antifaschistische hochschulegruppe der humboldt-universität zu berlin</autorinnen>
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 <link href="http://www.hummel-antifa.de.vu" text="Homepage der HUmmel-antifa: www.hummel-antifa.de.vu"/>

 <feld><titel>der vergessene teil der deutschen elite.</titel></feld>
 <feld><untertitel>zur geschichte und bedeutung studentischer korporationen.</untertitel></feld>
 <feld><untertitel>aufruf zum antiburschenschaftlichen spaziergang im oktober 2004</untertitel></feld>

 <feld><titel2>1. Prolog</titel2></feld>
 <feld><absatz>Die radikale Linke - besonders die Berliner - beschäftigt sich reichlich wenig mit studentischen Korporationen oder, wie sie gemeinhin heißen, Burschenschaften. Wenn diese überhaupt Objekte antifaschistischer Kritik werden, dann wegen einzelnen Veranstaltungen und Überschneidungen mit extremen Rechten. Solch eine Vorgehensweise erachten wir in Anbetracht der Brisanz des Themas als ungenügend. Dies liegt zu einem nicht geringen Teil am mäßigen Erkenntnisstand von Strukturen, Denkweisen und Relevanz studentischer Korporationen. Mit folgendem Text wollen wir zum Einen einen Überblick über dieses Thema bieten. Zum Anderen wollen wir zu einem antiburschenschaftlichen Spaziergang im Oktober diesen Jahres aufrufen. Mit jener Demonstration wollen wir sowohl zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit diesem Thema beitragen, als auch den Korporationen unmissverständlich klar machen, dass sie nicht ganz aus dem Blickfeld der radikalen Linken verschwunden sind.</absatz></feld>

 <feld><titel2>2. Definition</titel2></feld>

 <feld><titel3>2.1 Allgemeine Einteilung / Differenzierung / Dachverbände</titel3></feld>
 <feld><absatz>Heutzutage lassen sich Korporationen als feste, organisierte Gruppen von Studierenden mit wohl gepflegten und gewollten internen Hierarchien, antiegalitärem Denken und lebenslanger Mitgliedschaft charakterisieren. Sie verstehen sich als Ausbildungsorte einer gesellschaftlichen Elite. In der deutschen Gesellschaft spielten sie eine nicht zu unterschätzende Rolle. Letztlich geht es ihnen um den Aufbau und Erhalt einer als natürlich gegeben verstandenen Gesellschaftsordnung, in der sie wichtige, wenn nicht gar die wichtigsten, Posten besetzen. In dieser Gesellschaft hat nach ihren Vorstellungen jeder und jede eine exakt definierte Position einzunehmen und genau diese auszufüllen. Aus diesem Gesellschaftsbild heraus stellen sie sich radikal gegen jede Veränderung  und -wie auch immer verstandene- demokratische Mitbestimmung. Deshalb ist der Grundzug studentischer Korporationen die Aufrechterhaltung und Verinnerlichung unveränderlicher Traditionen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Sowohl die obrigkeitshörige deutsche Nationalbewegung, sowie der als preußisch bekannte Untertanengeist des wilhelminischen Kaiserreichs ist ohne das Wirken studentischer Korporationen als Erziehungsanstalt nicht zu verstehen. Auch der Untergang der Weimarer Republik, sowie die Errichtung und das Funktionieren des III. Reiches wären ohne die von den Burschenschaften propagierte antidemokratische Tradition im Mindesten anders verlaufen. Dass sich studentische Korporationen nach 1945 wieder etablieren konnten, ist bezeichnend für die deutsche Gesellschaft.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Studentische Korporationen sind in verschiedenen Dachverbänden organisiert und legen Wert darauf, dass das auch beachtet wird. Diese Dachverbände unterscheiden sich formal an folgenden Geschichtspunkten: farbentragend / nicht-farbentragend, obligatorisch schlagend / fakultativ schlagend / nicht schlagend, konfessionsgebunden / nicht konfessionsgebunde, sich vorrangig an völkischen oder adligen Idealen orientierend. Teilweise ist die Mitgliedschaft an eine spezielle Fachrichtung gebunden, teilweise definieren sich Korporationen zudem an für sie spezifischen Tätigkeiten [Turnen, Singen, Jagen, Segeln]. Oft, aber nicht immer, sind Korporationen reine Männerbünde. Fast alle Korporationen unterhalten eins, manchmal auch mehrere Häuser, auf denen sie leben und sich ihr Verbandsleben abspielt.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Ob diese Differenzierungen für antifaschistische Politik eine Relevanz haben, müssten Korporationen beweisen. Bisher ist aufgrund der aktiven Zusammenarbeit und der eigenen Darstellung als eine korporierte Szene nicht davon auszugehen.</absatz></feld>

 <feld><titel3>2.2 Lebensbundprinzip / kein Generationskonflikt / Seilschaften</titel3></feld>
 <feld><absatz>Ein Charakteristikum aller studentischen Korporationen ist das sogenannte Lebensbundprinzip. Dies bedeutet, dass wer einmal den Mitgliedstatus einer Korporation erworben hat, diesen auch zeitlebens behält. Gerade dies sichert zum Einen das Überleben der Korporationen, weil die Kosten der Häuser und des Verbandslebens von den Ausstudierten, sogenannten Alten Herren und Hohen Damen, getragen werden. Zum Anderen werden sie durch das Lebensbundprinzip zu einem Hort der Elite. Mit dem Eintritt in die jeweilige Burschenschaft geht die Verpflichtung einher, alle anderen Mitkorporierten aktiv zu unterstützen. Dies wirkt sich selbstverständlich auf die Positionen in der Gesellschaft nach dem Studium aus und lässt sich in relativ rasanten Karrieren Korporierter nachweisen. Nicht umsonst verweisen studentische Verbindungen in ihrer Eigenwerbung auf gute Beziehungen zur politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Elite.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Hier lässt sich ein Defizit antifaschistsicher Kritik konstatieren. Nicht allein die aktuell studierenden Korporierten sind für die Politik der Burschenschaften verantwortlich, sondern vor allem die Alten Herren und Hohen Damen. Korporationen achten dezidiert darauf keinen Generationskonflikt aufkommen zu lassen. Sie verstehen sich viel mehr als eine zusammengehörige Gemeinschaft, in der sich die jüngeren Mitglieder den Älteren unterzuordnen und deren Beschlüsse - zumindest idealtypisch - widerspruchslos umzusetzen haben.</absatz></feld>

 <feld><titel3>2.3 Interne Hierachie / Antiegalitär / Rituale</titel3></feld>
 <feld><absatz>Überhaupt sind studentische Korporationen gewollt hierarchisch konstituiert. Der verbandsinterne Lebensweg eines Korporierten / einer Korporierten verläuft folgendermaßen: eine Probezeit - meist Fuxenzeit genannt -, in der keine Rechte ausgeübt werden, Befehle nur empfangen werden können und unbedingter Gehorsam gefordert ist. Im Anschluß daran tritt der / die Korporierte in eine Zwischenphase ein, in der sich auf den Übergang zum Halbmitglied vorbereitet wird. Abgeschlossen wird diese Phase durch eine Prüfung [je nach Korporation das Fechten, Wissenprüfung zur Geschichte der eigenen Korporation, et cetera]. Nach dem Bestehen gilt man als Halbmitglied - meist Bursche -, mit Rechten den Untergebenen gegenüber und Gehorsamspflicht gegenüber den Übergeordneten. Meist mit Abschluß des Studiums, manchmal nach nochmaliger Prüfung, tritt man die Vollmitgliedschaft an [Alter Herr, Hohe Dame].</absatz></feld>

 <feld><absatz>Dies sollte nicht als Spiel einiger Weniger verstanden werden. Korporationen verstehen sich als Elite und sind der festen Überzeugung, dass eine Erziehung, wie sie eben beschrieben wurde, zur Ausprägung einer Elite notwendig ist. Es geht ihnen um das Erlernen von Unterordnung und Gehorsam, aber auch das Erteilen von Befehlen. Eine solche Erziehung prägt ihr Denken und Handeln in der Gesellschaft. Nicht selbstbewußte Mit- und Umgestaltung, Kritik und Intervention, sondern Unterordnung und Befehl sind ihr Idealbild der Welt. Daraus ergibt sich eine Abgrenzung vom demokratischen Idealbild einer aus selbstbewußten Individuen bestehenden Gesellschaft, der - wie sie es manchmal nennen - "Herrschaft der Masse". Um sich abzugrenzen, konstituieren sie sich mittels eigener Rituale und einer teilweise eigenen Sprache als eigenständige Gruppe.</absatz></feld>

 <feld><titel3>2.4 Pennälerschaften / Damenschaften / Reservistenschaften / dörfliche Burschenschaften</titel3></feld>
 <feld><absatz>Studentische Korporationen sind das Original. An ihnen orientiert haben sich andere Gruppen gebildet, die teilweise auch von Bedeutung sind. Als Vorfeldorganisationen von studentischen Korperationen können Pennälerschaften - auch Schülerschaften genannt - gelten. Diese organisieren nach fast gleichen Prinzipien, teilweise auf den Häusern von Studierenden, Abiturienten, die [letztlich]  eines der Rekrutierungsfelder für studentische Korporationen darstellen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Vereinzelt haben sich Damenschaften gebildet, die nach den Prinzipien der Burschenschaften organisiert sind. Oft nutzen sie die Infrasturktur und persönlichen Kontakte zu jeweils einer "Leitburschenschaft". Diese Damenschaften sind jedoch nicht als emanzipatorisch zu verstehen, weil sie das gleiche regressive Bild der Korporationen reproduzieren.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Ganz vereinzelt sind Reservistenschaften anzutreffen, in denen sich Soldaten der deutschen Bundeswehr und des österreichischen Bundesheeres organisiert haben. Ihnen kommt keine große Relevanz zu.</absatz></feld>
 <feld><absatz>In einigen Gebieten Deutschlands, Österreichs und der deutschsprachigen Schweiz existieren nach Dörfern organisierte, teilweise formal hierarchisierte Gruppen, die sich ebenfalls Burschenschaften nennen. Regionial kommt ihnen teilweise eine große Bedeutung zu. Auch ist ihnen eine Orientierung am Ideal studentischer Korporationen nicht abzusprechen. Allerdings haben diese das Lebensbundprinzip so gut wie nie ausgeprägt. Sie repräsentieren eher einen Urtypus von Burschenschaften, aus denen sich dann später studentische Korporationen entwickleten.</absatz></feld>

 <feld><titel2>3. Geschichte studentischer Korporationen</titel2></feld>

 <feld><titel3>3.1 offizielle Geschichtsschreibung</titel3></feld>

 <feld><titel4>3.1.1 bis 1848</titel4></feld>
 <feld><absatz>Die ersten Vorläufer studentischer Korporationen gründeten sich in der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, damals als lose Vereinigungen. Diese - später dann Corps genannten - Gruppen waren gekennzeichnet durch eine Abgrenzung von Studenten aus dem Kleinbürgertum, die sich damals gerade den Zutritt zur Universität erkämpft hatten. Zudem richteten sie sich radikal gegen die Prinzipen der französischen Revolution [Liberté, Égalité, Fraternité]. Die damaligen Corps kannten keine lebenslange Mitgliedschaft.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Während sich die Corps hautpsächlich auf den Standort der Universität, an dem sie sich konstituierten bezogen, versuchte die Progressbewegung - aus der später die Burschenschaften hervorgingen - seit den 1810'er Jahren eine Korporation aller deutschen Studenten aufzubauen. Deutsch definierten sie nach dem völkischen Prinzip, wonach alle Menschen unabänderlich einer ahistorischen Volksgruppe zugehören. Dieses Denken wurde gerade durch die Progressbewegung in der deutschen Nationalbewegung populär. Dabei ist zu beachten, dass es damals keinen einheitlichen deutschen Staat, sondern Dutzende von Monarchien und einigen wenigen freien Reichsstädten gab. Demgegenüber propagierte die Progressbewegung ein größeres nationales Gebilde. Dabei waren sie zum Teil liberalem und republikanischem Gedakengut aufgeschlossen, einige Gruppen beteiligten sich an antimonarchistischen Aufständen und Konspirationen. Progressiv für die damalige Zeit war, dass sie Menschen aus allen Schichten - an der Universität - in sich vereinigten. Bis 1815 gründete sich aus der Progressbewegung in Jena die sogenannte Urburschenschaft, auf die sich heutzutage große Teile der studentischen Korporationen positiv beziehen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Zwei Jahre später war die Bewegung groß genug um in Eisenach das sogenannte Wartburgfest zu feiern. Bei diesem wurde erstmals radikal die deutsche Reichseinigung gefordert und implizit zum Sturz der bestehenden Monarchien aufgerufen. Gleichzeitig äußerten sich auf diesem Fest bei der bekannten Bücherverbrennung antisemitische, völkisch begründete antinapoleonische und antiaufklärerische Tendenzen. Dieses Fest gilt sowohl bei Burschenschaften, als auch bei deutschen Demokratinnen und Demokraten als Gründungsmythos der deutschen Nation.</absatz></feld>

 <feld><titel4>3.1.2 1848</titel4></feld>
 <feld><absatz>Als 1848 in Deutschland der Versuch einer demokratischen Revolution scheiterte, fanden sich studentische Korporierte auf allen Seiten des Konfliktes wieder. So kämpften einige für demokratische Verfassungen und einen einheitlichen Nationalstaat, während andere die bestehende Herrschaft verteidigten.In Folge des monarchistischen Sieges gewann die völkische Strömung in den Burschenschaften den internen Kampf gegen die liberale - an den Ideal der französischen Revolution orientierte - Strömung. Letztere mussten als Revolutionäre fliehen oder wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, so dass die Reaktionären seitdem die Politik der Burschenschaften bestimmen konnten. Innerhalb weniger Jahre waren die liberalen Ansätze der Burschenschaften verschwunden, und die studentischen Korporationen wurden zur unverzichtbaren Stütze der jeweiligen Obrigkeit. Bis zum deutsch-französischen Krieg und der deutschen Reichseinigung 1870/71 änderte sich daran nichts. Zu erwähnen bleibt die Zunahme an studentischen Korporationen in dieser Zeit.</absatz></feld>

 <feld><titel4>3.1.3 1870/71 - 1918</titel4></feld>
 <feld><absatz>Die Zeit des deutschen Kaiserreiches ist im Hinblick auf die studentischen Korporationen durch zwei hervorstechende Momente gekennzeichnet. Zum Einen das Entstehen der Vereine deutscher Studenten und die Durchsetzung des völkischen Antisemitismus durch diese. Zum Anderen die nahezu vollständige Besetzung von Elitepositionen durch Korporierte.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Die Vereine deutscher Studenten gründeten sich relativ schnell und in großer Zahl im Zusammenhang mit dem Antisemitismusstreits von 1871 gegen vermeintlich  jüdische Studierende und Professoren. Sie verstanden sich als Aktionsgruppen zur Verteidigung des angeblich bedrohten deutschen Volkes, das gerade erst zu einer Nation vereinigt worden sei. Dem Verein deutscher Studenten nach gehörte zur angeblichen Identität dieser deutschen Gemeinschaft die Ablehnung alles jüdischen. Radikal und rabiat in ihrem Auftreten schafften sie es in kürzester Zeit den völkischen Antisemitismus in den anderen Korporationen als Grundlage zu instalieren, sich selber als Korporationsverband zu konstituieren und zu etablieren, sowie das völkische Denken als Gemeingut in der deutschen und österreichischen Gesellschaft zu verbreiten.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Während noch 1870 ein großer, aber nicht übermächtiger Teil der Studenten sich inkorporieren ließ, so war es 1914 - bei Ausbruch des I. Weltkrieges - allgemein synonym Student und Korporiert zu sein. Nur wenige Studierende organisierten sich nicht in studentischen Verbindungen. Dazu zählten gezwungenermaßen die von allen Korporationen ausgeschlossenen jüdischen und als jüdisch definierten Studierenden und die wenigen, auch nicht in Korporationen zugelassenen Frauen an der Univerität. Die studentischen Korporationen hatten sich etabliert, mehr noch, sie waren zu einem der einflußreichsten Elemente des Kaiserreichs geworden. Nahezu alle wichtigen Posten in Politik, Kultur und Wirtschaft waren mit Korporierten besetzt, die alle zu einem absolutem Untertanengeist erzogen waren. Angesichts dessen, dass sogar der Reichskanzler Bismark und Kaiser Wilhelm II. korporiert waren, lässt sich uneingeschränkt feststellen, dass die Gesellschaft des deutschen Kaiserreiches durch Korporationen dominiert wurde. Die studentischen Verbindungen waren zur Schule der deutschen Nation geworden.</absatz></feld>

 <feld><titel4>3.1.4 Weimarer Republik</titel4></feld>
 <feld><absatz>Seit dem Bestehen der Weimarer Republik waren studentische Korporierte Feinde dieser. Die Weimarer Republik galt ihnen als Staatsform der verhassten Massen, gegen welche sie sich als Elite abgrenzen wollten. So war es kein Wunder, dass sich bei allen Putschversuchen von rechts Korporierte in großer Zahl in den Freicorps beteiligten. So zum Beispiel beim Kapputsch.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Im Hochschulbereich organisierten sich die meisten Korporierten im sogenannten allgemeinen Waffenring. Dieser arbeitete ziemlich früh eng mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund zusammen, trotzdem sich Korporierte versuchten vom sogenannten "Pöbel der SA" abzugrenzen. Sie verstanden sich immer noch als die Elite der deutschen Nation. Trotz aller angeblicher Unzulänglichkeiten betrachteten sie den Nationalsozialismus als erfolgsversprechenste Bewegung für Deutschland. Deshalb begrüßten fast alle Dachverbände begeistert die Machtübernahme durch Hitler 1933. Die folgenden Auseinandersetzungen hatten nichts mit ideologischen Differenzen oder gar antifaschistischem Denken zu tun.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Sowohl in der Weimarer Republik, als auch im folgenden Nationalsozialismus gab es einige wenige Korporierte, die sich für die Republik und gegen die NSDAP engagierten. Allerdings war diese Haltung fast immr durch einer christliches Selbstverständnis motiviert. Diese wenigen Ausnahmen können aber nicht zu Entschuldigung der anderen Korporierten dienen.</absatz></feld>

 <feld><titel4>3.1.5 1933 bis 1945</titel4></feld>
 <feld><absatz>Die ersten Monate des III. Reiches waren für die studentische Korporation eine Zeit erhöhter Aktivität. Ihr Ziel war es, ihre Verbundenheit mit dem neuen Regime zu demonstrieren, die sogenannte nationalsozialistische Revolution weiter voran zu treiben, sowie ihre Position als führende Kraft der Studierendenschaft wieder zu erlangen. Die bekannteste dieser von den Korporierten voran getriebenen Aktionen waren die reichs - und österreichsweit organisierten Bücherverbrennungen im Frühjahr 1933. Dass es trotzdem zu Auseinandersetzungen mit der NSDAP kam, hatte einzig und allein mit der Gleichschaltungspolitik zu tun. Für die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen war es unvorstellbar, dass eine andere als die zur Partei gehörige Organisation die deutsche Studentenschaft vereinigen könnte. Aus diesem Grund wurden letztlich die Dachverbände der Korporationen, die es bis dahin nicht selbst getan hatten, verboten. Sie wurden allerdings zu keinem Zeitpunkt verfolgt. Vielmehr nahmen sie weiter hohe Posten ein und waren für das Funktionieren des Deutschen Reiches notwendig. Das Verbandsleben konnte mit wenigen Einschränkungen weitergeführt werden. Die Alt-Herren-Vereine konnten sich weiter treffen und die einzelnen Korporationen wurden als sogenannte Kameradschaften im Rahmen des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes weitergeführt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das gemeinsame Wohnen auf einem Haus pro Korporation aus dieser Zeit stammt.</absatz></feld>

 <feld><titel4>3.1.6 1945 bis 1989</titel4></feld>
 <feld><absatz>Nach dem II. Weltkrieg verboten die Allierten die Neugründungen von studentischen Korporationen - die offiziell nicht mehr existierten. In der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR wurde dieser Beschluss konsequent bis zum Ende durchgesetzt. Zwar gab es vereinzelte, äußerst kurzlebige, Versuche, diese konnten sich aber nie länger als drei Semester etablieren. Auch wurde über einige wenige inoffizielle Alt Herren Treffen berichtet. Dies alles führte allerdings nicht zu einer Neugründng von Korporationen. Anders in der französischen, US-amerikanischen und britischen Besatzungszone, der späteren BRD und Österreich.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Dort, so wie in der deutschsprachigen Schweiz, sammelten sich ziemlich schnell Korporierte und versuchten studentische Verbindungen wieder zu gründen. Bis in die 50'er Jahre gab es deswegen teils heftige Auseinandersetzungen in den Universitäten, vor Gericht und in der Politik. Nichtsdestotrotz gelang der Wiederaufbau von Korporationen und Dachverbänden. In den 50'er und frühen 60'er Jahren schien es teilweise, als könnten sie wieder die Stellung erlangen, die sie im Kaisereich innehatten.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Eine Besonderheit bildeten hierbei Korporationen, deren Stammsitz in der DDR oder Osteuropa lag und die sich in anderen Städten neu gründeten und etablierten. Zumindest offiziell gaben sie nie die Hoffnung auf, eines Tages an ihren Stammsitz zurückzukehren.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Mit der Öffnung der Hochschulen zu Massenuniversitäten erlitten studentische Korporationen einen gravierenden Einbruch. Das Bild der Studierenden wandelte sich vom konservativen zu einem linken oder liberalen. Die Korporationen hatten Nachwuchsprobleme. Einige reagierten darauf mit einer Verschärfung der Aufnahmebedingungen und der Ausprägung eines noch elitärerem Selbstbildes. Andere öffneten sich für Frauen, Zivildienstleistende oder Homosexuelle. Dadurch erreichten sie bis zu den 80'ern einen relativen Aufschwung in den Mitgliederzahlen und der Anzahl der studentischen Verbindungen. Seitdem gibt es dort keine relevanten Veränderungen mehr. Dies ist heute auch nicht mehr gewollt, da sie sich als Elite und nicht als Massenorganisation verstehen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Mit der politischen Wende 1989 begann auch für die studentischen Korporationen ein neue Phase. Sie fühlten sich dem Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands in den Grenzen von 1937 ein kleines Stück näher und feierten den Zusammenschluss von BRD und DDR als immerhin kleine Lösung. Von dieser Situation erhofften sie sich einen neuen Aufschwung und versuchten sowohl in der DDR, als auch in anderen Gebieten, die früher zu Deutschland gehörten, Korporationen zu gründen. Sie begannen mit sogenannter Grenzlandarbeit, die darauf hinausläuft deutsche Kultur außerhalb Deutschlands zu etablieren. Dies war einer der beliebtesten Projekte, sowohl der Rechten, als auch der Regierungen der Weimarer Republik, die mit dem Ziel durchgeführt wurden, andere Länder in ethnische Konflikte zu führen. An der Geschichte der sogenannten Sudetendeutschen läßt sich der Erfolg derartiger Politik konstatieren.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Von zumindest einigen Korporierten lässt sich sagen, dass sie sich ähnliche Erfolge nach 1989 in Polen, Russland, Tschechien und der Slowakei erhofft hatten. Diese Projekte können heute als größtenteils gescheitert betrachtet werden.</absatz></feld>

 <feld><titel3>3.2 korporative Geschichtsschreibung</titel3></feld>
 <feld><absatz>Fast alle Korporationsdachverbände unterhalten Arbeitskreise oder Vereine, deren Aufgabe es ist, die Geschichte des jeweiligen Dachverbandes zu dokumentieren. Diese Arbeit erfüllt primär folgende Aufgaben: zum Einen konstruiert sie eine Tradition der studentischen Korporationen bis in das späte Mittelalter hinein, zum Anderen schafft sie eine unhintergehbare Kontinuität von Personen, in die der / die einzelne Korporierte sich hinein gestellt denken soll. Zudem stellt diese Geschichte angeblich positive Einflußnahmen der Korporation in der Geschichte heraus, während sie gleichzeitig alle anderen Einflüsse radikal bestreitet. Mit den realen Geschehnissen hat diese Art von Geschichtsschreibung zu gut wie nichts gemein.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Alle Koperationen leiten sich direkt oder indirekt von den sogenannten "nationes" her. Diese "nationes" waren in den deutschen späten mittelalterlichen Universitäten verwaltungsbedingte grobe Einteilung der Studierenden nach den Orten ihrer Geburt. Studentische Korporationen stellen sich als Nachfolger dieser "nationes" dar und behaupten damit implizit die älteste, traditionellste und somit  ihren Vorstellungen nach beste Form von Elitebildungseinrichtung zu sein. Das ist faktisch falsch. Die ersten Korporationen bildeten sich erst, als die "nationes" praktisch aufgelöst waren. Zudem waren "nationes" etwas gänzlich anderes als Korporationen, sie basierten nicht auf Traditionen und Ehrbegriffen, sondern auf einem verwaltungbedingten Akt. Insoweit ist die Tradition der Korporationen bis ins Spätmittelalter konstruiert.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Die interkorporative Geschichtsschreibung ist eine widersprüchliche. Einerseits wird - nicht unberechtigt - die Geschichte eines beständigen Aufstiegs in der deutschen und österreichisch - ungarischen Gesellschaft erzählt. Andererseits behauptet sie, zu wichtigen Ereignissen der damaligen Zeit, insbesondere dem Ausbruch des I. Weltkrieges, nicht beigetragen zu haben. Dies ist absurd: die Gruppe, welche neben dem Adel nahezu die gesamte wirtschaftliche, millitärische und politische Elite stellte, soll nicht darin involviert gewesen sein. Vielmehr stellt sie den ersten Weltkrieg als ein quasi naturhaft über Europa gekommenes Ereignis dar, welches niemand zu verantworten hat, schon gar nicht sie selber mit ihrer autoritär - millitaristischen Erziehung.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Wie schon angesprochen, wurden die Dachverbände der studentischen Korporationen nach 1933 aus machtpolitischen Gründen aufgelöst. Nichtsdestotrotz konnte das Verbandsleben ungestört fortbestehen, teilweise wurde es massiv protegiert. So wurde das studentische Fechten, das selbst im Kaiserreich verboten war, im Mai 1933 gesetzlich legitimiert. Die Geschichte der Korporierten liest sich - mit wenigen Ausnahmen - gänzlich anders. Hier erscheinen die studentischen Verbindungen vom rasanten Aufstieg der NationalsozialistInnen vollständig überrascht. Innerhalb kürzester Zeit werden die Dachverbände verboten und zwangsaufgelöst, die Korperationen sind nicht mehr existent - und somit auch nicht mehr schuldfähig. Aus dieser Sicht ist es vollständig unverständlich, dass die Allierten nach dem II. Weltkrieg Wieder- und Neugründung von Korporationen untersagen, da sich sich die Korporierten als Opfer des Nationalsozialismus sehen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Aus diesen Beispielen geht hervor, dass die verbandsinterne Geschichtsschreibung der Korporationen darauf hinausläuft sich von jeder Schuld und Verantwortung frei zu sprechen und gleichzeitig eine Tradition zu konstruieren, aus der heraus sich die einzelnen Korporierten als Teil einer positiv herausragenden Gruppe fühlen können. Sie betrachten sich als übergesellschaftliche Institution, die von den Vorgängen außerhalb ihrer selbst im Kern nicht beeinflusst wird. Eine derartige Geschichtsschreibung genügt selbstverständlich nicht im geringsten den Anforderungen, die gemeinhin an Histographie gestellt werden: nämlich die gesamtgesellschaftliche Darstellung von Prozessen, die Einrodnung von Ereignissen in größere Zusammehänge und das Aufzeigen von Entwicklungen.</absatz></feld>

 <feld><titel2>4. Denken und Handeln</titel2></feld>
 <feld><absatz>Folgende zu kritisierende Strukturen lassen sich bei nahezu allen studentischen Korporationen feststellen. Auch wenn es nicht schwerfällt ähnliche Strukturen in der Gesamtgesellschaft nachzuweisen, bleibt zu bedenken, dass sie bei studentischen Korporationen besonders ausgeprägt existieren. Zudem ist noch einmal hervorzuheben, dass studentische Verbindungen sich als Eliteausbildungsstätte verstehen. Dies läuft darauf hinaus, dass Personen, die wie im folgendem beschriebenen Geiste erzogen werden, einflussreiche Positionen in der deutschen, österreichischen und auch schwitzer Gesellschaft einzunehmen gedenken.</absatz></feld>

 <feld><titel3>4.1 völkisches Weltbild</titel3></feld>
 <feld><absatz>Vor allem die Burschenschaften waren Triebkräfte in der deutschen Nationalbewegung. Während sie die liberalen und humanistischen Grundzüge dieser Bewegung spätestens 1848 vollständig aufgaben, behielten sie andere Grundzüge bei und radikalisierten sich. Vor allem das völkische Denken formulierten sie zu einer Grundmaxime aus. Darunter ist eine Weltsicht zu verstehen, in der zunächst alle Menschen in Volksgruppen gedacht werden. Die Zuordnung wird gedacht als durch die Geburt vermittelt, das gesamte Individuum umgreifend und beschreibend, sowie natürlich und somit unhintergehbar. Diese Wesensmerkmale werden durch zwei Charakteristika verstärkt. Zum Einen wird als Idealbild die Reinerhaltung dieser Volksgruppen vorrausgesetzt und angestrebt. Zum Anderen wird eine Hierarchie dieser Volksgruppen imaginiert, bei der die Deutschen an oberster Stelle stehen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Dies führt dazu, dass nach der Definition der Korporationen nur Deutsche aufgenommen werden. Von diesem Prinzip gab es auch einige wenige Ausnahmen. So zum Beispiel war es bei einigen Corps wichtiger adliger Herkunft als deutsch zu sein. In den letzten Jahren wurde bei einigen Korperationen der völkische durch einen Kulturbegriff ersetzt. Aufnahmebedingung ist dort vorrangig das Beherrschen der deutschen Sprache, sowie das unbedingte Bekenntnis zur deutschen Kultur, die hier als ahistorische Konstante gedacht wird. So war und ist die "Abstammung" bei Korporationen ein wichtiges Charakteristikum zur Bewertung von Menschen.</absatz></feld>

 <feld><titel3>4.2 Nationalismus</titel3></feld>
 <feld><absatz>Eine Nation ist nach Definition der Korporationen die metaphysische Vereinigung aller Menschen einer Volksgruppe. Diese Nation war und bleibt positiver Bezugspunkt ihrer Politik. Im Ehrenkodex der studentischen Verbindungen ist die Nation als positiver Identifikationspunkt aufgenommen worden, den es bis zum Letzten zu verteidigen gilt. Genau so wie es im völkischen Denken erfolgt, wird die Nation als ahistorisch und unüberwindbar gedacht. Direkt oder indirekt streben sie die Vereinigung aller Deutschen an. Streitpunkt ist, ob dies in einem Staatsgebilde, zum Beispiel in der Grenzen von 1937, oder aber in einer kulturellen Einheit geschehen soll.</absatz></feld>

 <feld><titel3>4.3 Antisemitismus</titel3></feld>
 <feld><absatz>Die wichtigste Rolle bei der Modifikation des religiösen zum völkischen Antisemitismus spielten studentischen Korporationen. Getreu dem völkischen Vorurteil, dass jeder Mensch einem Volk zugehörig sei, wurde die religiös definierte Gruppe der Jüdinnen und Juden zum eigenständigen Volk erklärt. Dies wurde als negatives Gegenstück zu den bestehenden Völkern - mit Ausnahme der Sinti und Roma, denen eine ähnliche Rolle zugeschrieben wurde - konstituiert, im Falle der studentischen Korporationen als explizit den Deutschen entgegengestellt.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Eine Vorreiterrolle nahmen hierbei die Vereine deutscher Studenten ein. Ihnen gelang es in kürzester Zeit eine antisemitische Grundhaltung in der deutschen und österreichisch-ungarischen Gesellschaft zu verankern, welche relativ schnell von anderen studentischen Korporationen als Allgemeingut akzeptiert und umgesetzt wurde. Als jüdisch identifizierte Studenten wurden nicht mehr aufgenommen. Lediglich das sich bis 1870 durchgesetzte Lebensbundprinzip verhinderte eine Zeit lang, dass schon Inkorporierte und Alte Herren, die als Juden definiert wurden, ausgeschlossen werden konnten.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Allerdings wurde dieses Problem aus der Sicht der studentischen Korporationen bis in die 20'er Jahre des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig gelöst: schon damals konnten sie sich als "judenfrei" bezeichnen. Wenn sich solche "Juden" zu eigenen Korporationen zusammenschlossen, wurden diese in keinster Weise akzeptiert und nicht zum Verbandsleben zugelassen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Wird bedacht, dass Korporierte aus solchen antisemitischen Gruppierung die Elite der Weimarer Republik stellten, ist es nicht verwunderlich, welche antisemitischen Potentiale die NSDAP nutzen konnte.</absatz></feld>

 <feld><titel3>4.4 Sexismus / Homophobie</titel3></feld>
 <feld><absatz>Es gibt Ausnahmen, aber der Normalfall ist immer noch: studentische Korporationen sind Männerbünde. Dies bedeutet, der Zugang zu Korporationen ist explizit männlich, damit einher geht ein klares Männlichkeits- und ein klares Weiblichkeitsbild.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Männer sind demzufolge das Personal der künftigen Elite, die in kämpferischen oder körperlich anstrengenden Ritualen von einem durch klare Regeln kontrollierten Verhalten den Anspruch auf diese Position untermauern. Frauen dagegen sind dieser Vorstellungen nach ausgeschlossen von der Elite und gelten bestenfalls als schmückendes Beiwerk.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Mit dem elitären Gestus der Korporationen ging zumindest in früheren Zeiten eine Einteilung der Frauen in zwei Gruppen einher. Die Frauen der gleichen sozialen Schicht, welche als potentielle Ehefrauen betrachtet und behandelt und die Frauen der niederen Schichten, die gerne als Lustobjekt benutzt wurden.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Unter den Argumentationen, warum Frauen nicht in Männerbünde aufgenommen werden, stechen zwei hervor. Zum Einen wird die mögliche Verletzung - durch die Mensur - bei Frauen, im Gegensatz zu Männern, als entstellend gewertet. Zum Anderen wird behauptet, dass wenn eine Frau Zutritt zu Männerbünden erhält, sie die interne Männerfreundschaft zerstören könnte. Diese Behauptung ist sowohl sexistisch, als auch homophob. Die Darstellung der Frau als agent provocateur, die es durch ledigliche Answesenheit im Männerbund schafft beim Mann sexuelles Begehren auszulösen, und somit eine Konkurrenz zur Männerfreundschaft entstehen lässt, an der diese zerbrechen könnte, ist ein altbekanntes, sexistisches Stereotyp. Der Frau wird hierbei die Rolle der sexgierigen zugeschrieben, während der Mann den konkurrierenden Typus darstellt. Gleichzeitig offenbart diese Argumentation, dass an eine homosexuelle Beziehung zwischen Männern überhaupt nicht gedacht wird. Obwohl die homoerotischen Erfahrungen in solchen Männerbünden höchstwahrscheinlich intensiver als in der restlichen Gesellschaft sein werden, wird der heterosexuelle Mensch als Normalität betrachtet und die homsexuelle Lebensweise als quasi nicht existent ignoriert.Als Korporationen in den 1970'er Jahren mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hatten, ließen einige wenige auch Frauen als Korporierte zu. Allerdings waren dies nur nicht schlagende Verbindungen, die dies zudem fadenscheinig begründeten. Einige Sängerschaften entdeckten nach über 100-jähriger Existenz auf einmal Gesangsstücke für Frauenstimmen, für deren Aufführungen es "echter" Frauen bedürfe. Einige christliche Korporationen entdeckten zum gleichen Zeitpunkt den Gleichheitsgrundsatz in der Bibel, der ihnen bis dato entgangen war.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Alles in allem läßt sich konstatieren, dass die heteronormative Grundtendenz sich seit Jahrhunderten nicht verändert hat. Ausnahmen wurden bisher in Krisensituationen und nicht aus humanistischen Gründen gemacht.</absatz></feld>

 <feld><titel3>4.5 Militarismus</titel3></feld>
 <feld><absatz>Sowohl der Aufbau, als auch der Ethos studentischer Korporationen lässt sich als millitaristisch beschreiben. Intern gibt es eine Hierarchie mit klar definierten Befehlsgebern und Befrehlsempfängern, die durch den Anspruch des totalen Gehorsams verstärkt wird. Dies stellt für sie das Idealbild einer millitärischen Organisation dar, an der sich ihrer Meinung nach auch die Gesellschaft orientieren sollte. Ausgedrückt wird solches Denken bei waffentragenden Korporationen durch das Ritual des Fechtens.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Im Kleinen findet sich hier eine radikalisierte Version der deutschen Elite von 1870 / 71 bis 1918 wieder, denen letztlich jede liberale oder demokratische Form der Gesellschaft widerstrebte. Ob sich diese Tendenz bei allen Korporationen hundert prozentig finden lässt, kann diskutiert werden.</absatz></feld>

 <feld><titel3>4.6. Körperbeherrschung</titel3></feld>
 <feld><absatz>Eine der Grundthesen studentischer Korporationen, die sie implizit vermittelt, ist, dass wer seinen / ihren Körper beherrschen kann, sowohl seinen / ihren Geist, als auch Andere beherrschen kann. Die Kontrolle des eigenen Körpers ist dieser These nach Grundvoraussetzung einer Elite. Deshalb sind in allen studentischen Verbindungen Rituale und Alltagsübungen zur Kontrolle des eigenen Körpers fest verankert. Beim bekannten Fechten geht es nicht darum, zu gewinnen, sondern „seinen Mann zu stehen“ und die Schläge auszuhalten. In den ritualisierten Saufgelagen - Kneipe genannt - ist es Ziel, selbst unter übermäßigem Alkoholkonsum die Beherrschung über den eigenen Körper zu behalten und die Regeln der Korporation zu erfüllen. Auch die Regeln des „akademischen Singens“ in Sängerschaften, des Jagens in Jagdcorps oder der sportlichen Ausbildung in Turnerschaften sind auf dieses Ziel hin ausgerichtet.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Die eigentümlich steife und militärische körperliche Haltung Korporierter ist Ausdruck des eigenen Elitebewusstseins. Dies geht zumindest implizit mit einer Behindertenfeindlichkeit einher. Obwohl diese sich von der Behindertenfeindlichkeit, wie sie in der Gesellschaft allgemein verbreitet ist, wenig abhebt, ist sie deswegen nicht minder zu kritisieren.</absatz></feld>

 <feld><titel2>5. Neuere und Neuste Geschichte</titel2></feld>
 <feld><absatz>Bisher mag der Eindruck entstanden sein, das studentische Korporationen zwar eine große und nicht zu unterschätzende Rolle in der deutschen Geschichte gespielt haben. Angesichts dessen verbietet sich jeder positive Bezug auf frühere Korporationen. Dass studentische Verbindungen dies trotzdem tun, ist kritikwürdig. Jedoch wäre es falsch sie darauf zu reduzieren. Sie spielen noch heute - nicht nur in ihrer immer noch vorhandenen Elitefunktion - eine wichtige Rolle im rechtskonservativen bis rechtsextremen Spektrum. Dies werden wir im Folgenden an drei Themenfeldern kurz darstellen.</absatz></feld>

 <feld><titel3>5.1 Neue Rechte</titel3></feld>
 <feld><absatz>Mit Neuer Rechte werden einige Strömungen der radikalen Rechten bezeichnet, deren Ziel es ist die Grundtheoreme der radikalen Rechten zu reformulieren und im Sinne dieser Theoreme in den gesellschaftlichen Diskurs zu intervenieren.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Vor allem geht es ihnen darum, ein anti-egalitäres Weltbild auf biologistischer Grundlage als zeitgemäß und natürlich zu formulieren. In dieses Weltbild eingeflochten sind völkische, rassistische und antisemitische Axiome, zudem ergeben sich aus den biologistischen Annahmen sexistische, normierende und behindertenfeindliche Grundzüge.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Es geht der Neuen Rechten um eine Intellektualisierung, gleichzeitig um eine Abgrenzung von als pöbelhaft oder veraltet angesehenen Strömungen der radikalen Rechten. Hauptsächlich versuchen Neue Rechte über Publikationen und Veranstaltungen ihre Thesen zu verbreiten und Einfluss zu gewinnen. Es wäre nachvollziehbar, wenn die Neue Rechte versucht auf studentische Korporationen Einfluss zu gewinnen und gleichzeitig dort nach neuen Aktivisten und Aktivistinnen sucht.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Korporierte sind als Studierende potentielle Intellektuelle, gleichzeitig stehen sie den Theoremen der Neuen Rechten aufgeschlossen gegenüber und bereiten sich darauf vor, wichtige Positionen in Politik und Gesellschaft zu übernehmen. Dass die Strategie aufzugehen scheint, beweisen regelmäßige Beiträge von Korporierten in Neurechten Publikationen, die Übernahme von neurechten Ideologemen in studentisch korporierten Zeitschriften und Informationsmaterialien, sowie wiederholte Veranstaltungen von Neuen Rechten auf ihren verbindungseigenen Häusern.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Selbstverständlich ist es schwierig einen Generalverdacht aufgrund der eben angesprochenen Potentiale gegen studentische Korporationen auszusprechen. Fakt ist allerdings, dass bisher studentische Verbindungen nicht nachvollziehbar erklären können, wieso gerade sie keinen Anschluss an die Neue Rechte haben sollten. Solange dies nicht geschieht, ist es nicht falsch studentische Korporationen dem Spektrum der Neuen Rechten zuzuordnen.</absatz></feld>

 <feld><titel3>5.2 Allgemeine Studierendenausschüsse</titel3></feld>
 <feld><absatz>Allgemeine Studierendenausschüsse [ASten] sind das ausführende Organ der studentischen Selbstverwaltung an allen bundesdeutschen Universitäten und Hochschulen. Die gleiche Funktion wird in Österreich von den HochschülerInnenschaften übernommen. Diese gelten heute allgemein als von Linksliberalen bis Linksradikalen dominiert. Innerhalb der Hochschulen stellen sie den Hauptangriffspunkt für Burschenschaften dar.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Seit Mitte der 90'er Jahre gehen sie im Verbund mit anderen Rechten per Gericht gegen ASten und HochschülerInnenschaften vor. Offiziell geht es bei dieser Auseinandersetzung um die Frage, zu welchen Themen sich ASten als Zwangsvereinigungen aller Studierenden positionieren dürfen. Letztlich ist das Ziel dieser Kampagne aber die nahezu vollständige Einschränkung politischer Aktivitäten studentischer Selbstverwaltungen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>In der Geschichtserzählung der meisten studentischen Korporationen seien ASten 1968 als Hort der radikalen Linken gegründet worden. Dies ist historisch falsch. Die HochschülerInnenschaften und ASten wurden nach einigen Vorläufern in der Mitte der 20'er Jahre des zwangzigsten Jahrhunderts per  Gesetz an allen Universitäten eingeführt. Ursprünglich als demokratisches Element gedacht, waren sie von Anfang an von Korporierten und anderen Rechten dominiert. Spätestens seit 1927/28 gab es dort eine weitgehende Zusammenarbeit von Korporationen und dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund [NSDStB]. Nur in Ausnahmefällen konnten sich liberale Hochschulgruppen profilieren, sozialdemokratische oder linke, sowie explizit jüdische Hochschulgruppen waren damals bestenfalls in einer Außenseiterposition zu finden.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Bezeichnenderweise wurden die ASten in den späten 20'er vom Preußischen Innenministerium gleich wieder verboten, da sie beschlossen das antidemokratische „Führerprinzip“ einzuführen. Ihre erste gemeinsame Handlung nach ihrer Wiederzulassung 1933 war die Organisation der Bücherverbrennungen, die heute als eine der ersten Propagandataten des nationalsozialistischen Deutschlands bekannt sind.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Nach 1945 wurden die ASten in Westdeutschland als demokratische Institutionen wieder eingeführt. Auch hier waren sie von den ersten Wahlen an rechts dominiert. In dieser Zeit äußerten sie sich regelmäßig zur sogenannten Ostpolitik der Bundesregierung und anderen politischen Entwicklungen. Dies ist erwähnenswert, da Rechte heute solche - über die Hochschule hinausgehenden - Äußerungen unterbinden wollen.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Die rechte Hegemonie in den Studierendenvertretungen wurde erst in den späten 60'ern beendet.</absatz></feld>

 <feld><titel3>5.3 Grenzlandarbeit</titel3></feld>
 <feld><absatz>1918, nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrags, bestand für Deutschland keine realistische Chance, alle Gebiete, in denen nach völkischer Definition Deutsche wohnte, zu vereinen. Trotzdem war dies erklärtes Ziel weiter Teile der Rechten in der Weimarer Republik. In den frühen 20'ern entwicklete sich eine neue Strategie, die von staatlichen und privaten Initiativen getragen und mit Grenzlandarbeit bezeichnet wurde. Diese hatte das Ziel, Gruppen, die als Deutsche bezeichnet wurden und im Ausland lebten, zu einer eigenständigen Identität als Volksgruppe zu verhelfen. Dazu gründeten sich teils staatlich, teils privat aus Deutschland initiert und unterstützt, Kulturvereine. Zu den Aufgaben dieser Vereine gehörte neben der Organisation von Veranstaltungen und Festen die Herausgabe von eigenen deutschsprachigen Medien. In einer weiteren Stufe wurde nach und nach eine Infrastruktur für die im Ausland befindlichen Deutschen Gemeinschaften aufgebaut, die zu einer relativen Autarkie führen sollte. Gleichzeitig wurden Integrationsangebote der anderen Staaten an diese Gemeinschaften radikal zurückgewiesen und bekämpft. In einer letzten Stufe wurden seperatistische Strömungen unterstützt, welche die Gemeinschaften aus dem jeweiligem Staat lösen und Deutschland anschließen sollten. Letztlich ging es um eine Erweiterung des deutschen Gebietes ohne Kriegserklärung.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Hervorzuheben für diese Grenzlandarbeit ist, dass sie sich hauptsächlich auf Osteuropa konzentrierte. Deutsche Gemeinschaften z.B. in Dänemark, Belgien oder Frankreich wurden in wesentlich geringerem Maße unterstützt.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Dass die Grenzlandarbeit große Erfolge zeitigte, lässt sich nicht bestreiten. Der begeisterte Empfang deutscher Truppen durch die Bevölkerung im Sudetenland nach den Münchener Verträgen 1938 ist das bekannteste Symbol dafür.</absatz></feld>
 <feld><absatz> </absatz></feld>
 <feld><absatz>1989, nach dem Beitritt der DDR zur BRD, erkannte diese die deutsch - polnische und die deutsch - tschechische Grenze vertraglich an. Mit allen anderen Anrainerstaaten waren solche Verträge schon früher geschlossen worden. Rein rechtlich ist das deutsche Staatsterritorium seitdem unveränderbar festgeschrieben.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Große Teile der radikalen Rechten, darunter auch studentische Korporationen und Alt Herren Verbände, erkennen diese Grenzen allerdings nicht an und fordern implizit und explizit eine Erweiterung des deutschen Staatsgebietes. Dabei greifen vor allem Verbindungen auf das Konzept der Grenzlandarbeit zurück. Neben zahllosen Vereinsfahrten wurde mehrfach versucht in Osteuropa deutsche Kulturvereine zu gründen, Infrastruktur für Deutsche aufzubauen und explizit deutsche studentische Korporationen zu etablieren. Auch wenn die meisten dieser Versuche als gescheitert betrachtet werden können, lässt sich doch konstatieren, dass zumindest einige Teile der korporierten Szene sich davon nicht demotivieren lassen und weiterhin auf ein Großdeutschland zuarbeiten.</absatz></feld>

 <feld><titel2>6. Epilog</titel2></feld>
 <feld><absatz>Studentische Korporationen stellen zum Einen eine Eliteausbildungsstätte dar, die ihre Mitglieder intern nach einem völkischen, biologistischen und anti-egalitären Weltbild erziehen und diese durch ihre Netzwerkfunktion an wichtigen Plätzen in der Gesellschaft platzieren können. Gleichzeitg stellen sie heute einen wichtigen Teil der Neuen Rechten und bilden eine Schnittstelle zwischen der Radikalen Rechten und dem rechtskonservativen Spektrum. Zum Anderen sind sie heute eine der traditionsreichsten und finanzkräftigsten Gruppierungen, die innerhalb der organisierten Rechten zu verorten ist.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Die bisherige Praxis antifaschistischer Gruppierungen, ihnen nur selektive Aufmerksamkeit zu schenken, ist gefährlich uind sollte überdacht werden. Nötig ist eine Auseinandersetzung, kontinuierliche Beobachtung und beständige Kritik der Politik und Ideologeme der studentischen Korporationen.</absatz></feld>
 <feld><absatz> </absatz></feld>
 <feld><absatz>Als einen Schritt in diese Richtung rufen wir zum antiburschenschaftlichen Spaziergang in Berlin - Zehlendorf am 23. Oktober 2004 auf.</absatz></feld>

 <feld><absatz> </absatz></feld>
 <feld><absatz>August 2004</absatz></feld>
 <feld><absatz> </absatz></feld>
 <feld><absatz>HUmmel Antifa / antifaschistische Hochschulgruppe der Humboldt Universität zu Berlin / www.hummel-antifa.de.vu</absatz></feld>
 <feld><absatz>und </absatz></feld>
 <feld><absatz>initiative.burschis.aufessen / www.burschis.de.vu</absatz></feld>

 <feld><absatz> </absatz></feld>
 <feld><absatz>Antiburschenschaftlicher Spaziergang: Burschis anfechten / 23.10.2004  / 15 Uhr / S-Bahnhof Zehlendorf [S1 - nicht einmal 30 Minuten vom S-Bahnhof Friedrichstraße]</absatz></feld>

 <feld><absatz>Veranstaltung: Ideologie und Politik der Deutschen Burschenschaft und des Kösener Senioren Convents Verbandes / 21.10.2004 / 19 Uhr / K9 [Kinzigstraße 9 - U-Bahnhof Samariterstraße] / mit: Dr. Stephan Peters [Autor: Elite sein! Wie und für welche Gesellschaft erzieht eine studentische Korporation?] und Jörg Kronauer [freier Publizist]</absatz></feld>

 <feld><absatz>Celebrate diversity! Delete Elite! Kill Germany! / 15.10.2004 21 Uhr / K9 [Kinzigstraße 9, U-Bahnhof Samariterstraße] / alternativ - rock _ electro /  drum'n'bass / cocktails / dj'anes</absatz></feld>



 <glosse>
  <titel>Dachverbände</titel>
   <absatz>Studentische Korporationen sind meistens in Dachverbänden organisiert. Diese Dachverbände bilden Strukturen, die eigenen Richtlinien folgen. Beim antiburschenschaftlichen Spaziergang werden wir über drei Dachverbände informieren.</absatz>
   <absatz>Die Deutsche Burschenschaft [DB] ist der größte Dachverband. Gleichzeitig stellt er den radikalsten dar. Er vereinigt die Korporationen, die am ursrünglich burschenschaftlichen Ideal eines vereinten Deutschlands festhalten. Drei der bekanntesten rechtsextremen Korporationen - Burschenschaft Germania [Hamburg], Burschenschaft Gothia [Berlin] und Burschenschaft Olympia [Wien] - sind in ihm Mitglied.</absatz>
    <absatz>Der Kösener Senioren Convents Verband [KSCV] versteht sich als der eilitärste dieser Elitenvereine. Lange Zeit hielt er als Mitgliedsbedingung an einer Zugehörigkeit zu einer hohen sozialen Schicht - Adel oder Großbürgertum - fest. Noch heute stellt er stolz die Inkorporation von Kaiser Wilhelm II. und dem späterem Reichskanzler Bismarck heraus.</absatz>
    <absatz>Der Verband der Vereine Deutscher Studenten [VVdSt] wurde von antisemitischen Agitationsvereinen im deutschen Kaiserreich begründet. Ohne ihn wäre der völkische Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft nicht so schnell und intensiv verbreitet worden.</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Studentische Korporationen / Burschenschaften</titel>
  <absatz>Studentische Korporationen legen Wert darauf, dass sie nicht alle Burschenschaften sind. Allerdings sind sie unter diesem Begriff weitläufig bekannt. Obwohl Korporierte ihren Kritikerinnen und Kritikern immer wieder Undifferenziertheit vorwerfen, stellt sich die Frage ob eine Rücksichtnahme auf ihre Befindlichkeiten für eine Kritik an ihnen notwendig ist. Wir lehnen den gesamten Aufbau von studentischen Verbindungen ab und nicht nur einige Besonderheiten.</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Farbentragend / Nicht-Farbentragend</titel>
  <absatz>Ein großer Teil der Korporationen erscheint bei offiziellen Anlässen mit einer - meist dreifarbigen - Schärpe, sowie einer darauf farblich abgestimmten Uniform, die ihre jeweilige Verbindung symbolisieren soll. Diese heißen farbentragend. Nicht-Farbentragende Korporationen verzichten dagegen darauf.</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Obligatorisch- / Fakultativ- / Nicht-Schlagend</titel>
  <absatz>Eine ritualisierte Form des ehemals feudalen Duellwesens mit Waffen, die tatsächlich verletzten können, stellt das sogenannte studentische Fechten, die Mensur, dar. Das Durchstehen eines solchen Fechtganges ist im Ehrenkodex vieler Korporationen vorgeschrieben. Hinsichtlich der Anwendung der Mensur lassen sich studentische Korporationen in drei Gruppe einteilen. Die erste macht das studentische Fechten zur Pflicht. Nur so lässt sich der Burschenstatus erlangen. Diese heißen obligatorisch schlagend. Fakultativ schlagende praktizieren zwar das Fechten, lassen aber auch andere Möglichkeiten zur Burschung zu. Und nicht schlagende - vorrangig christliche und Damenverbindungen - fechten nicht.</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Kurzer Abriss deutsche Geschichte</titel>
  <absatz>Zum Verständnis burschenschaftlicher Entwicklung ist es notwendig sich noch einmal wichtige Daten der deutschen Geschichte vor 1933 ins Gedächtnis zu rufen.</absatz>
   <absatz>Die Gründung der ersten studentischen Korporationen fiel in eine Zeit, in der Deutschland als virtuelle Einheit beschrieben werden kann. Politisch kann von dem, was als Deutschland begriffen wurde, als Fleckteppich gesprochen werden, der aus dutzenden Monarchien und einigen wenigen prädemokratischen Stadtstaaten bestand. Zwar stritten vor allem die drei größten Monarchien - Preußen, Sachsen und Österreich - um die Vormachtstellung, letztendlich erreichte sie niemand von ihnen. Diese Ordnung war nach der Niederschlagung Napoleons 1815 in stärkerem Maße in Europa wieder installiert worden, die Hoffnung des liberalen Bürgertums und der in Anfängen begriffenen ArbeiterInnenbewegung richteten sich auf eine demokratisch verfasste Monarchie in Deutschland. Diese Hoffnungen wurden mit dem Scheitern der bürgerlichen Revolution 1848 zunichte gemacht. In weiten Teilen Deutschlands übernahm das dem jeweiligen Landesherren untertänige Offizierscorps die gesellschaftliche Leitfunktion, an dem sich auch das Bürgertum ausrichtete.</absatz>
  <absatz>Nach einer Reihe von militärischen Siegen brachte Preußen im deutsch-französischen Krieg 1870/71 einen deutschen Einigungsprozess ohne Österreich-Ungarn zustande, der mit der Krönung Kaiser Wilhelm I. und einer Reihe von Verträgen bis 1872 abgeschlossen war. Durch diesen Erfolg übernahm das militärisch geprägte Preußen die politische und gesellschaftliche Führung in Deutschland. Beflügelt von diesen Erfolgen strebte das Deutsche Kaiserreich auf eine Weltmachtstellung zu, die sich zum Beispiel in Forderungen nach einem eigenen Kolonialreich manifestierten. Diese Kolonialgeschichte war - obwohl kurz - eine der grausamsten, für die nicht nur der Völkermord an den Herero 1904 steht. Auch wenn Deutschland nicht die alleinige Schuld am Ausbruch des I. Weltkrieges gegeben werden kann, so trug es doch in einem wesentlich höherem Maße als jede andere Nation dazu bei. Explizit erklärtes Ziel der deutschen Elite war es, neben Österreich-Ungarn, die alleinige Macht in Europa und letztlich in der Welt darzustellen.</absatz>
  <absatz>Als 1918 das Kaiserreich aufgrund des I. Weltkrieges zusammenbrach und die neugegründete Weimarer Republik den Versailler Vertrag unterschrieb, der neben dem Verlust deutscher Gebiete, die Reduzierung der Reichswehr, sowie die Zahlung immenser Reperationen vorsah, wollten große Teile der studentischen Elite den Traum eines großen deutschen Reiches nicht aufgeben. Sie kämpften als irreguläre Truppen - die Freicorps genannt wurden - im Baltikum für einen neuen deutschen Staat. Dabei sind sie durch ihre erbarmungslosen Angriffe auf die Zivilbevölkerung bekannt geworden. Nach der Niederschlagung dieser Freicorps kehrten diese relativ unbehelligt in die Weimarer Republik zurück. Dort bildeten sie bis Mitte der 20'er Jahre bewaffnete, rechtsextreme Einheiten. Diese bezogen in sozialen Kämpfen eindeutig gegen die politische Linke Position, schlugen mehrere Streiks und Versuche von Räteregierungen nieder, ermordeten Dutzende Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter und nahmen aktiv an Putschversuchen der Rechten - zum Beispiel Kapp-Putsch, Hitler-Putsch - teil. Aus den Freicorps bildeten sich mit der Zeit kleine, terroristische Geheimorganisationen, deren Kampf sich vor allem gegen die Reichsregierung richtete, die sie als Haupthindernis für die Errichtung eines großdeutschen Staates ansahen.</absatz>
  <absatz>In der Mitte der 20'er gelang es vorrangig der NSDAP die rechtsextreme Bewegung, die sich zuvor hauptsächlich aus Teilen der deutschen Elite zusammengesetzt hatte, zu einer Massenbewegung umzuformen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Elite ihre Funktion vollständig einbüßte.</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Deutscher Waffenring</titel>
  <absatz>Der Deutsche Waffenring war die hochschulpolitische Organisation der schlagenden Verbindungen - mit Ausnahme der Deutschen Burschenschaft - in der Weimarer Republik.</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Südtirolterrorismus</titel>
  <absatz>In den 1950'er und 1960'er Jahren gab es eine heute kaum noch bekannte Bewegung im italienischen Südtirol. Diese strebte die Vereinigung Südtirols mit dem Bundesland Tirol im österreichischen Staatsgebiet an. Andere Strömungen wollten aus Südtirol und dem Bundesland Tirol einen eigenständigen Staat gründen. Innerhalb dieser Bewegung gab es eine terroristische Strömung, die mit Attentaten auf Stromleitungen und Symbolen des italienischen Staates Aufmerksamkeit erregte. Die Burschenschaft Olympia [Wien] stellte sich innerhalb kürzester Zeit als eine der Schaltzentralen dieses Südtirolterrorismus heraus. Ihr Alt Herren Verband galt als einer der Hauptfinanziers. Letztlich wurde diese Burschenschaft vom österreichischen Innenministerium verboten, konnte sich aber nach einigen Jahren unter gleichem Namen wiedergründen. Dies gilt bis heute als extremes Beispiel für die Verflechtung einiger studentischer Korporationen und der radikalen Rechten.</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Einzelbeispiele</titel>
  <absatz>Für die Zeit nach 1945 läßt sich konstatieren, dass nicht mehr die gesamte deutsche Elite korporiert war. Dies hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist die zunehmende Internationalisierung jener Schicht. Langsam haben sich auch andere Zugangskritierien durchgesetzt. Die Zugehörigkeit zu einer Koporation wird heutzutage von den meisten ihrer Mitglieder nach dem Studium nicht öffentlich gemacht. Welche Bedeutung Korporierte in der deutschen und österreichischen Gesellschaft spielen, erweisst sich deshalb als schwer zu beantworten. Um diese Frage zumindest in Ansätzen aufzuhellen, sind Kritikerinnen und Kritiker auf Publikationen studentischer Korporationen, einige wenige Artikel in der Tages- und Wochenpresse, sowie Auftritte auf Veranstaltungen von Korporationen - bei denen die Auftretenden als Bundesbrüder und -schwestern aufgeführt werden - angewiesen. Notwendig wäre eine kontinuierliche Beobachtung der korporierten Szene.</absatz>
  <absatz>Die umfangreichste öffentlich zugängliche Auflistung studentischer Korporierter wird vom Kartell der Verbindungen in Frankfurt am Main geführt [www.frankfurter-verbindungen.de] Obwohl unvollständig und nur mittelmäßig gepflegt, lässt sie in Ansätzen ihre Relevanz innerhalb der Gesellschaft erahnen. Einige ausgewählte Beispiele - obwohl es uns eher um die gesamte Struktur, als um einzelne Personen geht - mögen das verdeutlichen.</absatz>
  <absatz>Klaus Detter [Richter am Bundesgerichtshof; KDStV Gothia Würzburg]</absatz>
  <absatz>Eberhard Diepgen [Ex-Regierender Bürgermeister von Berlin, Burschenschaft Sararia Berlin]</absatz>
  <absatz>Dr. Klaus Esser [Ex-Vorstandsvorsitzender Mannesmann AG; Rhenania Tübingen]</absatz>
  <absatz>Dr. Hans Friedrichs [Ex-Bundeswirtschaftsminister, FDP, Sprecher der Dresdener Bank; Coprs Teutonia Marburg]</absatz>
  <absatz>Dr. Klaus Asche [Vorstand Holsten Brauerei, Hamburg; Burschenschaft Germania Jena zu Göttingen]</absatz>
  <absatz>Günther Beckstein [Innenminister Bayern, CSU; Akademische Musikalische Verbindung Fridericiana Erlangen]</absatz>
  <absatz>Friedrich Merz [Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im Bundestag; KDStV Bavaria Bonn]</absatz>
  <absatz>Helmut Müller [Vorsitzender des Bundesamtes für das Versicherungswesen; Berliner Wingolf]</absatz>
  <absatz>Josef Neckermann [Begründer des aus "arisierten" Vermögen entstandenen Neckemann Versand; Badenia Straßburg]</absatz>
  <absatz>Dr. Jürgen Reichert [Ex-Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung; Deutsche Gildenschaft]</absatz>
  <absatz>Adolf Roth [Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Konrad Adenauer Stiftung, Ex-Ältestenrat des Haushaltausschusses des Bundestages; KDStV Moeno-Franconia Frankfurt am Main]</absatz>
  <absatz>Dr. Jürgen Rüttgers [Ex-Bundesforschungsminister; Rappolstein Straßburg zu Köln]</absatz>
  <absatz>Klaus Töpfer [Ex-Bundesverkehrsminister, Leiter des Umweltprogramms der UN; Kettler  Mainz]</absatz>
  <absatz>Carl Ludwig Thiele [Mitglied des Bundesrates, FDP-Niedersachsen; Akademische Verbindung Zollern Münster]</absatz>
  <absatz>Kurt Waldheim [Österreichischer Bundespräsident 1986-92, Generalsekretär der UNO 1971-87; Katholische Hochschulverbindung Welfia Klosterburg]</absatz>
  <absatz>Dr. Edmund Stoiber [bayrischer Ministerpräsident, Vorsitz CSU; KDStV Trifels München]</absatz>
  <absatz>Klaus Schucht [Ex-Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalt, Ex-Treuhand Chef; Corps Silesia Breslau]</absatz>
 </glosse>

 <glosse>
  <titel>Zur antisemitischen Definition des jüdischen</titel>
  <absatz>Antisemitisch Denkende definieren für sich selber, wer oder was jüdisch ist. Diese Definition ist die Grundlage ihres Handelns. Dabei spielt es keine Rolle, ob die als jüdisch identifizierten Personen sich selber als jüdisch definieren. Deshalb benutzen wir in diesem Text Umschreibungen wie "vermeintlich jüdisch" und "als jüdisch identifiziert".</absatz>
 </glosse>

</artikel>


</text>