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<artikel>
 <autorinnen>chaze</autorinnen>
 <datei>http://wolfgangklimm.piranho.com/burschis/texte/00062004.xml</datei>
 <quelle> HUCH! - Humboldt-Universität Collected Highlights, Juni 2003</quelle>
 <link href="http://www.chaze.de.vu" text="homepage des autors: www.chaze.de.vu"/>
 <link href="http://www.refrat.hu-berlin.de/antifa/burschenschaften.htm" text="Thema Burschenschaften beim Referat für Antifaschismus im ReferentInnenrat der Humboldt-Universität zu Berlin"/>

 <feld><titel>Völkische Elite - zur Relevanz studentischer Verbindungen</titel></feld>
 <feld><bild richtung="right">elite.jpg</bild></feld>
 <feld><absatz>Studentische Verbindungen beziehunsweise Burschenschaften, die bekannteste und meistgenannte Variante dieser Zusammenschlüsse, erscheinen heute nicht als relevant für die Universität. Die Zahlen sprechen dafür: 1932 waren rund die Hälfte aller Studierenden "korporiert" - also Mitglied studentischer Verbindungen, vor der Weimarer Republik lag die Zahl noch höher [1]. Übrigens damals alles Männer. Heutzutage gibt es einige wenige Verbindungen, die Frauen zulassen (in Berlin sechs von 45), sowie extra Damenschaften (in Berlin eine). Homosexualität ist allerdings weiterhin Zulassungshindernis, beziehungsweise immer wieder Grund für einen Rauswurf. Aktuell sind nicht einmal 0,5 % der Studierenden in der Bundesrepublik verbündet; und Berlin ist keine Hochburg der Korporationen. Dennoch wäre es falsch, studentische Verbindungen als unwichtig abzutun. Sie haben einen immensen Einfluß in der Gesellschaft: So waren in der Bundestagsperiode 1998-2002 allein 11 Mandate mit Vertretern und Vertreterinnen eines Dachverbandes, des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen [CV], besetzt. Laut der Datenbank Couleurstudentische Informationen (cousin) gibt es 100 Dachverbände. In Berlin existieren davon 19 sowie mehere Vereinigungen ohne Dachverband. Studentische Verbindungen "pflegen elitäres Gedankengut, fördern undemokratische Seilschaften und haben ein völkisches Politkverständnis" [2], argumentieren und agieren diskriminierend gegenüber Gruppen, die ihrem Elitedenken nicht entsprechen, und befinden sich in der Grauzone zum Rechtsextremismus.</absatz></feld>
 <feld><titel2>Karriere</titel2></feld>
 <feld><absatz>Auch wenn dies bestritten wird, so sind alle Verbindungen hierarchisch strukturiert und eben kein einfacher "lebenslangen Freundschaftsbund von Studenten und Absolventen [der] Universitäten", wie es Corps Borussia Berlin auf ihrer Homepage behauptet. Es gilt sich immer eine Struktur hinauf zu dienen. Beim Eintritt in eine Verbindung werden die Studierenden, oder Schüler, wenn es Schülerschaften [in Berlin nur für Männer] sind, zum Fux [3]. Bis dato sind sie teilweise von ihrem anderen sozialen Umfeld abgetrennt worden. Sie sind damit allen höher Gestellten in der Verbindung ausgeliefert. Diese dürfen die Füxe mit "Strafen" und Aufgaben versehen. Wieso die Füxe diese Stellung hinnehmen, bleibt zu vermuten: aus dem Traditionsgefühl heraus, das sie zu Teilen in die Verbindungen trieb oder auch, weil sie wissen, dass sie in eine bessere Position aufsteigen werden.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Nach dieser Zeit erfolgt die "Burschung": der oder die Fux steigt zum Burschen oder zur Bundesschwester auf. Dies kann mit der Mensur, dem rituellen Fechten - das fordern 15 der Berliner Verbindungen und neun stellen es frei - oder anderen Prüfungen einhergehen. Ab diesem Zeitpunkt wird aktiv am Leben der Korporation teilgenommen und natürlich werden die Füxe von den ehemaligen Füxen autoritär "erzogen". Nach einer Phase von meist vier Semestern werden die Koporierten zu inaktiven Mitgliedern, dass heißt, sie wohnen in den Verbindungshäusern und widmen sich, unter sozialer Kontrolle der Verbindung, ihrem Studium. Nach abgeschlossenem Studium werden sie zu Hohen Damen oder alten Herren.</absatz></feld>
 <feld><titel2>Lebenslang</titel2></feld>
 <feld><absatz>Diese Ausstudierten sind ein wichtiger Bestandteil der Verbindungen, denn jede dieser Gruppen folgt dem sogennanten "Lebensbundprinzip": einmal Mitglied immer Mitglied. Sie finanzieren die Verbindungen, treffen sich regelmäßig und bilden gut funktionierende Seilschaften in Wirtschaft und Politik. Deshalb sind Koporierte auch in großer Zahl in einflußreichen Positionen zu finden: Sie fühlen sich als Elite und haben die Kontakte, dies auch faktisch umzusetzen.</absatz></feld>
 <feld><titel2>Vaterland</titel2></feld>
 <feld><absatz>Nahezu allen Verbindungen gemeinsam ist der positive Bezug auf einen völkischen Deutschlandbegriff. Ganz offiziell wird "Deutsch" an einem Blutprinzip festgemacht: Deutsch ist, wer deutsche Vorfahren hat. Das führt dazu, das Menschen aus Österreich und der deutschsprachigen Schweiz ohne Probleme Mitglied werden können, Menschen mit türkischer Abstammung, deren Familien seit Jahrzehnten hier wohnen, nicht. Allerdings gibt es um diese Auslegung von Deutsch tatsächlich Streitigkeiten [4]. Das hält die Verbindungen aber nicht davon ab, sich in sogenannter "Grenzlandarbeit" zu betätigen, das heißt überall "Deutsche Minderheiten" zu finden und diese im "Deutschsein" zu unterstützen. Dieses Denken schließt direkt an Konzepte an, die in der "Neuen Rechten" Ethnopluralismus heißen, sprich: Rassismus in der Schublade "Volksbräuche, unterdrückt" ablegen.</absatz></feld>
 <feld><titel2>Die extreme Rechte</titel2></feld>
 <feld><absatz>Immer wieder tauchen Meldungen über extrem Rechte Verbindungen auf, und immer wieder distanzieren sich andere Verbindungen von diesen. Die bekanntesten Beispiele sind die Wiener Burschenschaft "Olympia", die bis zu ihrem Verbot 1961 als Schaltzentrale für den rechtsextremen Südtirolterrorismus diente, die Hamburger Burschenschaft "Germania", deren Mitglieder für die Schill-Partei kandidierten oder die Berliner Burschenschaft "Gothia", die am 17. Juni 2003 dem Arbeiteraufstand in der DDR als "Volksaufstand in Mitteldeutschland" gedenken will.</absatz></feld>
 <feld><absatz>Es wäre falsch diese Ereignisse als "Ausrutscher" anzusehen. Die inhaltliche Nähe zum Rechtsextremismus sowie die direkten (personellen) Verbindungen sind Ergebnis der Struktur und des Denkens der studentischen Verbindungen. Autoritarismus, sinnlose Rituale [5], völkisches und elitäres Denken sind, wenn nicht mit der extremen Rechten identisch, so doch parallel.</absatz></feld>
 <feld><titel3>Humboldt-Uni</titel3></feld>
 <feld><absatz>Das Referat für Antifaschismus im ReferentInnenrat der HU (gesetzl. AStA) hat auf seiner Homepage Materialien zu Verbindungen und ein Liste der Berliner Korporationen zusammengestellt: www.refrat.hu-berlin.de/antifa</absatz></feld>
 <feld><titel3>[Anmerkungen]</titel3></feld>
 <feld><absatz>[1] Grüttner, Michael: Studenten im Dritten Reich, Paderborn : Schöningh, 1995; S. 287.</absatz></feld>
 <feld><absatz>[2] Burschenschaftsreader des Antifa-Referats der AStA der Universität München</absatz></feld>
 <feld><absatz>[3] Eine weibliche Form läßt sich nicht finden. In manchen Verbindungen heißen Füxe auch anders.</absatz></feld>
 <feld><absatz>[4] So diskutiert der relativ gesehen liberale CV gerade [2003!] darüber, ob "nur noch die Beherrschung der deutschen Sprache" genügen soll, um einer CV-Verbindung beizutreten.</absatz></feld>
 <feld><absatz>[5] Auf "die Kneipe", also das rituelle Besäufnis, wurde hier aus Platzgründen nicht eingegangen.</absatz></feld>


</artikel>


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